Beitrag Siegener Zeitung vom 10.03.2026
„Die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen mit Notstromfunktion steigt auch im Siegerland. Unternehmen aus Herdorf und Kreuztal berichten, wie sich Hausbesitzer gegen Stromausfälle wappnen können – und wo die technischen Grenzen liegen.
Den 3. Januar werden die Berliner so schnell nicht vergessen: Nach dem Brandanschlag auf das Stromnetz sind mehr als 100.000 Menschen plötzlich ohne Elektrizität. In Arztpraxen, Kindergärten und Altenheimen gehen die Lichter aus, viele Haushalte müssen tagelang auf Energie und Heizungswärme verzichten – die Hauptstadt ist im Ausnahmezustand.
Der Stromausfall hat deutlich gezeigt, wie verwundbar wir sind, wenn unsere Versorgungsinfrastruktur plötzlich ausfällt. Und diese Szenarien werden mit Blick auf die Weltpolitik – Stichwort: hybride Kriegsführung – immer häufiger diskutiert.
Wäre es da nicht schön, wenn man vorsorgen könnte für einen Blackout? Die gute Nachricht: Man kann. Und zwar ohne dafür gleich zum Prepper zu werden, der sich im Garten einen Bunker buddelt. Das Zauberwort heißt: Photovoltaik.
Dazu muss die PV-Anlage auf dem eigenen Dach speziell konfiguriert sein. Denn bei herkömmlichen Anlagen stellt der Wechselrichter bei einem Stromausfall sofort seinen Dienst ein – und es wird dunkel.
Aber die Technik gibt es heute längst her, auch im Notfall den Strom vom eigenen Dach nutzen zu können, berichtet Laura Reinschmidt. Die Herdorfer Firma Reinschmidt Energiesysteme hat schon etliche PV-Anlagen verbaut, die auch bei einem Blackout Strom liefern können – und es werden immer mehr. „Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen“, berichtet Laura Reinschmidt im Gespräch mit der SZ, „immer mehr Kunden fragen nach Notstrom-Lösungen“.
Wer seine PV-Anlage auch bei einem Stromausfall nutzen will, muss bei der Anschaffung etwas tiefer in die Tasche greifen – denn es werden zusätzliche Komponenten benötigt, die dann den sogenannten Inselbetrieb ermöglichen.
Inselbetrieb? Dafür sind spezielle Wechselrichter nötig, oft kombiniert mit einem Batteriespeicher. „Sie bauen dann ein eigenes, kleines Stromnetz nur für das eigene Haus auf“, erklärt Laura Reinschmidt. Kürzere Stromausfälle lassen sich dann mit der Power vom Dach oder direkt aus dem Stromspeicher überbrücken.
Wenn das Stromnetz längere Zeit in die Knie geht, ist natürlich irgendwann der Akku leer – dann kommt es darauf an, ob genügend Licht da ist, um den Batteriespeicher wieder aufzuladen. „Bei normalem Wetter kann man sich mit einem solchen System mehrere Tage ohne spürbare Einschränkungen autark versorgen, da muss auch nicht unbedingt die Sonne scheinen“, sagt Laura Reinschmidt. „Wenn aber länger Schnee auf den PV-Modulen liegt, kommt das System an seine Grenzen.“
Aber auch für solche Herausforderungen kann vorgesorgt werden: An modernen Batteriespeichern lässt sich ein Puffer einrichten – der Akku wird also nie ganz geleert, sodass selbst im tiefsten Winter zumindest ein paar Kilowattstunden verfügbar sind.
Allerdings erkauft man sich diese zusätzliche Sicherheit, indem man die nutzbare Kapazität des eigenen Akkus künstlich verkleinert. „Wie viel davon sinnvoll ist, muss jeder für sich überlegen”, meint Laura Reinschmidt. „Man kann das am Ende selbst steuern: Wenn eine Extremwetterlage angekündigt ist, kann es vielleicht die richtige Entscheidung sein, ein bisschen mehr Strom für einen Blackout zurückzuhalten.“
Ihr Fazit: „Hauptsächlich werden Batteriespeicher genutzt, um mehr vom eigenen Solarstrom verbrauchen zu können. Die Notstromfunktion ist also ein Zusatznutzen – aber einer, der ein gutes Stück zusätzliche Sicherheit bieten kann.“
Allerdings ist nicht jeder so privilegiert, eine eigene PV-Anlage betreiben zu können. Aber auch für diesen Fall gibt‘s Lösungen: Balkonkraftwerke.
Auf diesem Feld kennt sich Markus Köhler, Geschäftsführer der Kreuztaler Firma „Watt‘s los“, bestens aus. „Auch bei Balkonkraftwerken gibt es mittlerweile interessante Notstrom-Optionen“, sagt er und verweist darauf, dass die Nachfrage nach solchen Lösungen auch unter den Balkonkraftwerk-Kunden immer größer wird.
Vorweg: Die Kraft der Balkonkraftwerke reicht kaum, um mehrere Tage ohne Strom zu überbrücken. Aber mittlerweile dürfen Haushalte vier Module nutzen, die zusammen bis zu 1,8 kW liefern können. Auch sie können also, wenn auch langsamer, einen Akku im Keller füllen.
Und der Wechselrichter? Ist wie bei den großen PV-Anlagen erst einmal ein Flaschenhals, aber: Er kann umgangen werden, wenn ein Stromspeicher ins Spiel kommt. „Bei einem Stromausfall kann per App auf Akkubetrieb umgestellt werden”, erklärt Köhler: „Dann speisen die Module der Balkonkraftwerke direkt den Stromspeicher – und der Akku wird zur großen Powerbank, an den sich Elektrogeräte anschließen lassen.“
Bleibt die Frage: Wie lange reicht die Kraft des Akkus? Eine Antwort liefert ein Blick auf Köhlers Solar-App: Während des Gesprächs mit der SZ ziehen alle Verbraucher in seinem Haushalt – darunter Kühlschrank, Laptop, Heizungspumpe – zusammen etwa 0,3 kW. Und Köhler kennt viele Balkonkraftwerk-Besitzer, deren Akkus 8 kWh speichern können.
Damit wäre Köhlers Strombedarf rechnerisch also gut einen Tag lang gedeckt – solange er bewusst mit der Energie umgeht und weder die Mikrowelle noch den Staubsauger anschmeißt. Aber Hand aufs Herz: Wer denkt bei einem Blackout schon ans Staubsaugen?“

